Wels-Manipulation

Angler fragen mich oft, ob ich als Produktmanager von MADCAT wirklich glaube, dass das neue A-STATIC-Konzept (der Überzug von Metallteilen mit einer Gummierung, um das elektromagnetische Feld zu minimieren) wirklich dazu beiträgt, Welse zu täuschen. Ehrlich? Ich weiß es nicht 100%ig, niemand weiß es 100%ig. Die Menschheit hat viele Tiere studiert, die ihre Fantasie anregen, wie z.B. Wale, Delfine und Haie, aber über den hässlichen und wirtschaftlich uninteressanten Wels ist leider nicht so viel bekannt…

Schauen wir einmal, was wir wissen oder was wir sicher annehmen können, um zu verstehen, wie der Wels in der pechschwarzen Dunkelheit der Tiefe und der Nacht „sieht“. Nur wenn wir verstehen, wie ein Wels seine Umgebung wahrnimmt und bestimmt, was Nahrung ist oder nicht und was sicher ist oder nicht, können wir ihn erfolgreich dazu bringen, unseren Köder anzunehmen.

Ich höre oft Angler sagen, dass sie versuchen, wie der Fisch „zu denken“. Obwohl ich verstehe, was sie damit meinen, ist es eher komisch, da Welse nicht denken. Nur Menschen sind mit der Fähigkeit ausgestattet, rational zu denken. Das unterscheidet Menschen von Tieren. Tiere handeln nach Instinkt und unser Freund, der Wels, bildet keine Ausnahme von dieser Regel.

Für einen Raubfisch ist alles was sich bewegt und kleiner als er selbst ist, eine potentielle Beute und alles, was sich bewegt und größer ist als er selbst, ist eine potentielle Gefahr. Das hat nichts mit dem Denken, sondern mit dem Instinkt zu tun. Welse sind auf diese Weise „programmiert“. Aber obwohl Fische nicht denken können, haben sie die Fähigkeit zu lernen. Manche Verhaltensweisen sind lohnend und manche Verhaltensweisen führen zu schlechten Erfahrungen. Jeder hat schon einmal vom sog. „Pavlov-Effekt“ gehört. Wenn eine bestimmte Art von Verhalten wiederholt zu einer schlechten Erfahrung führt, sagt der Fisch seinem Instinkt: tu das nicht noch einmal! Besonders Säugetiere sind darin sehr gut. Hunde sind ein gutes Beispiel. Sie lernen besonders schnell. Es ist auch bekannt, dass Fische lernen. Und wenn sie lernen können, können sie konditioniert werden. Fragen Sie einen Karpfenangler…

Also wenn Sie Welse, große Welse, fangen und sie regelmäßig fangen wollen, müssen Sie verstehen, wie konditioniert der Wels ist und wie er Dinge registriert (und antizipiert).

Noch einmal: Schauen wir auf das, was wir wissen oder was wir mit Sicherheit annehmen können. Die kleinen Augen (im Vergleich zu seiner Körpergröße) deuten auf eine schlechte Sehkraft. Ich höre oft, dass ein Wels blind ist oder vielleicht im besten Fall den Unterschied zwischen dunkel und hell erkennen kann (Kontrast). Ich weiß nicht ob das stimmt, gerade weil einige meiner Freunde auf eine bestimmte Farbe des Clonk Teasers schwören. Solange wir uns nicht sicher sind, was ein Wels sehen kann oder auch nicht, sollten wir ihn das sehen lassen was er sehen soll und das verbergen, was er nicht sehen soll, OK? Nur um auf der sicheren Seite zu sein. Immer noch glauben die meiste, dass Welse eine sehr schlechte Sehkraft haben.

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Bemerkenswert, wenn man darüber nachdenkt, dass ein Wels ein Raubfisch ist, der erfolgreich nach scheuen und sich schnell bewegenden Köderfischen jagt und das oft in völliger Dunkelheit.

Wo wären wir Menschen ohne Augen? Wir bezeichnen blinde Menschen als Menschen mit Behinderung. Wir alle wissen, dass ein Wels alles andere als behindert ist. Ein Wels ist abhängig von Sinnen, an denen wir uns kaum orientieren, wie Geruch, Gefühl und Klang. Es ist kaum vorstellbar für uns, wie gut diese Sinne entwickelt sind – sogar so gut, dass das Augenlicht praktisch überflüssig wird. Im Grunde wie bei einem blinden Menschen, der viel intensiver die verbleibenden Sinne nutzt als es sehende Menschen tun.

Wir riechen. Wenn etwas stinkt, neigen wir dazu, uns von der Quelle zu entfernen, und wenn etwas gut riecht, gefällt es uns und zieht uns an. Aber der Geruch muss relativ stark sein, sonst bemerken wir ihn vielleicht nicht. Nicht so für einen Hund. Er kann sogar riechen, wenn ein Mensch vor Tagen oder Wochen irgendwo gewesen ist und seine genaue Fährte aufnehmen und in Sekunden entscheiden, wo er lang muss. Wir Menschen benötigen Millionen von Molekülen, um einen Geruch wahrzunehmen, ein Aal nur eine Handvoll. Das ließ mich darüber nachdenken, wie wichtig gut entwickelte Sinne für Tiere sein können und damit meine ich nicht nur das Augenlicht.

Die zwei langen Barteln des Welses erlauben ihm zu fühlen, was es vor ihm ist. Sind das nur „Fühler“ oder sind es mehr Antennen? Ich frage mich: wenn ein Wels mit voller Geschwindigkeit schwimmt, zum Beispiel weil er eine Beute jagt; werden diese Schnurrhaare ihn rechtzeitig warnen, um angemessen zu reagieren? Ich kann es kaum glauben. Welse haben in bestimmten Gebieten Europas bemerkenswert kurze Barteln. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sie ständig auf alles stoßen. Ich habe mich zum Beispiel immer gefragt, wie es möglich ist, dass ein Wels, der von einem Angler angelockt wurde, immer noch genau weiß, wohin er schwimmt. Woher weiß er, wie tief er schwimmt? Woher weiß er, dass er nicht auf das Ufer oder auf ein Hindernis zu schwimmt? Macht es nicht mehr Sinn, wenn diese Barteln mehr als Antennen funktionieren? Vielleicht, vielleicht… aber wahrscheinlich nur für Objekte in der Nähe.

Nehmen wir also an, der Wels sieht schlecht und seine Barteln helfen ihm dabei zu fühlen, was sich direkt vor ihm befindet, auch ohne die Hindernisse tatsächlich zu berühren. Aber das scheint einfach nicht auszureichen, damit er detailliert genug seine Umgebung wahrnimmt? Ich will nicht länger um den heißen Brei herumreden: seine Seitenlinien! “Die Seitenlinien sind ein System von Sinnesorganen, das aquatische Wirbeltieren besitzen, um Bewegungen, Vibrationen und Druckunterschiede im umgebenden Wasser zu erkennen.“ (Wikipedia)

Und lassen Sie mich noch hinzufügen: er nimmt auch noch elektromagnetische Felder wahr. Alles hat ein elektromagnetisches Feld. Sogar ein Beutefisch. Ich glaube, dass ein Wels sehr gut in der Lage ist, elektromagnetische Felder mit seinem Seitenlinienorgan zu bestimmen.

Wir Menschen müssen Licht sammeln, das auf unsere Netzhaut projiziert wird und von unserem Gehirn in scharfe Bilder übersetzt wird. Ich glaube, dass ein Wels, der alle seine Sinne (besonders seine Seitenlinien) benutzt, dieselben scharfen Bilder seiner Umgebung erzeugen kann – indem er elektromagnetische Felder statt Licht aufnimmt.

Wenn ein Wels das elektromagnetische Feld eines kleinen Fisches, der meist aus weichem Gewebe besteht, aufnehmen kann, können Sie sich vorstellen, wie stark das elektromagnetische Feld eines 150-Gramm-Bleis erscheint…

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Es macht also durchaus Sinn, Metallteile wie Haken oder Blei zu verkleiden, um das elektromagnetische Feld zu minimieren, so dass es nicht zu stark erscheint und zu einem kleineren, verschwommenen Bild führt, das wesentlich weniger Verdacht beim Wels aufkommen lässt. Mit anderen Worten: Gummibeschichtete Metallteile helfen wahrscheinlich nicht, einen müden Wels zu erschrecken. Es verhindert es nicht völlig, aber es hilft.

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Aber andererseits basieren diese Erkenntnisse nur zur Hälfte auf wissenschaftliche Erkenntnisse (niemand stellt die Existenz und Effektivität von Seitenlinien in Frage) und zur Hälfte auf Annahmen, die auf logischem Denken basieren – und Felderfahrung! Welsangler, die ihr Blei beispielsweise mit dem Kopf eines toten Tintenfisches bedecken, erhalten mehr Bisse als ihre Freunde, die mit freiliegendem Blei fischen.

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Also was mache ich, wenn ich einen Haken anbinden will und in meiner Tacklebox einen klassischen vernickelten Haken und einen A-STATIC Haken mit einer Gummibeschichtung habe? Genau! Ich benutze den A-STATIC Haken, weil ich, wie fast alle Angler, glaube, dass eine subtile Köderpräsentation den Unterschied zwischen Fangen oder nicht Fangen ausmachen kann. Ich schreibe den Vorteil einfach dem Zweifel zu.

Lucas van der Geest
MADCAT Produktmanager