Harte Kanten, weiche Schnüre…

Von Schlagschnur und Spleißen

„Schon wieder ? Wie kann das sein? Ich fische ein geflochtene 0,60mm Hauptschnur… Wie kann die einfach reissen?“

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Ungefähr das waren meine Worte als ich vor einigen Jahren im Rhein mit dem gezielten Angeln auf Wels begann und Kontakt mit den ersten dicken Wallern hatte.
Damals fischte ich eine hochwertige Hauptschnur mit einem Durchmesser von 0,60mm, welche ich an einen Wirbel mit meinem U-Posen Vorfach knotete. Also ohne viel Schnick Schnack. Eine ganz normale Wallermontage halt. Aber wie konnte es passieren, dass regelmäßig Fische durch Schnurbruch verloren gingen? Schließlich angelte ich mit einer relativ dicken Schnur… Anfangs wusste ich nicht wo ich den Fehler suchen sollte und fing an mir Gedanken zu machen.
An den Knoten lag es schonmal nicht. Das konnte definitiv ausgeschlossen werden. Denn wenn ich mich auf etwas verlassen konnte, dann auf die Knoten. Diese verwendete ich schon viele Jahre ohne jemals Probleme damit gehabt zu haben.
Die Hauptschnur war nagelneu, von einem namhaften Hersteller und mit einer Tragkraft von fast 60kg angegeben. Das muss doch für einen Fluss wie den Rhein ausreichen. Da die Stelle an der die Schnur riss immer nur wenige Meter vom Wirbel entfernt war und nicht mitten auf der Schnur, machte ich mir so meine Gedanken, wie ich Herr der Lage werden konnte.
Die meisten Angelplätze an denen ich Fische aufgrund von Schnurbruch verloren geben musste, hatten etwas gemeinsam… Steine und Muscheln!!! Beides nicht gerade die besten Freunde der Hauptschnur. Zum Ablegen der Steinmontagen suchte ich immer sehr markante Punkte auf, wie z.B. steil abfallenden Kanten zur Fahrrinne oder Plätze direkt an Buhnenköpfen und Steinpackungen. So war immer das Problem gegeben, dass die Hauptschnur direkt über die Steine verlief, welche teilweise noch mit Muscheln überzogen waren. Die ganze Montage wurde nach dem Ablegen durchgespannt, sodass auch ohne Fischkontakt dauerhaft große Spannung auf der Schnur auf. Kam jetzt noch die zusätzliche Belastung bei einem Anbiss hinzu, war das für die geflochtene 0,60er zu viel, und es gingen mehrfach schöne Fische verloren.
Nur wie konnte ich die Montagen und Schnüre vor solchen scharfen Kanten schützen um zukünftig die Welse sicher landen zu können?
Die anfänglichen Bemühungen sahen so aus, dass ich versuchte mit Hilfe von Silikonschlauch die ersten drei Meter der Schnur zu schützen. Dies war allerdings vom Handling her nicht wirklich ausgereift. Die Montagen wurden sehr auffällig und durch den nun ziemlich dicken Durchmesser der ersten Meter hatte ich verstärkten Druck durch die Strömung auf dem Material. Zudem war es keine einfache Sache die Schnur in den Schlauch einzuziehen. Das war ein Geduldsspiel, welches nicht selten darin endete, dass ich alles abschnitt und von vorn begann.

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Der ein oder andere Waller konnte aber doch mit dieser Variante überlistet werden und die Fischverluste veringerten sich. Aber optimal war definitiv anders! Es musste etwas her, das weder beim Angeln einschränkt, noch sehr auffällig war und trotzdem den scharfen Kanten am Gewässergrund Stand hielt. Ich kramte in meiner Tackle-Kiste und hatte irgendwann eine Spule „Cat Cable“ von MADCAT in der Hand. Das Material machte einen guten Eindruck und war mit einem hohen Durchmesser und einer Tragkraft von 160kg wie geschaffen für meinen Plan. Zudem war dieses Material extrem abriebfest, trotzdem sehr geschmeidig und ließ sich sehr gut verarbeiten.
Kurzerhand knotete ich das Vorfachmaterial an meine Hauptschnur und spulte einige Meter davon auf die Rolle. An das Ende kam ein Wirbel, gefolgt von dem Vorfach mit U-Pose und Haken. Jetzt noch frische Köder drauf und die Montage war einsatzbereit. Soweit so gut. Die Richtung stimmte schonmal, aber wie verhielt sich das Ganze im Einsatz?
Da ich damals beim Wallerfischen am liebsten Multirollen mit Schnurführung im Einsatz hatte, bemerkte ich ziemlich schnell, dass durch das Anknoten der „Schlagschnur“ ein weiterer negativer Effekt auftrat. Der Verbindungsknoten von Haupt- und Schlagschnur war nun so dick, dass dieser regelmäßig beim Einholen in der Schnurführung hängen blieb. Dies konnte wiederrum in einer kniffligen Drillsituation zum Verlust des Fisches führen. Also musste auch hierfür eine zuverlässige Lösung her….
Heute bin ich schlauer und habe die perfekte Verbindung für Haupt- und Schlagschnur gefunden. Anstatt beide Schnüre mittels eines Knotens zu verbinden wird das Material gespleißt bzw. vernäht! Beim Spleißen zieht man die Hauptschnur in die Schlagschnur ein und erhält eine knotenlose Verbindung. Um eine 100% Sicherheit zu gewährleisten, kann man das überstehende Ende der Hauptschnur mit dem bereits gespleissten Schnurteil vernähen. Der große Vorteil dieser Art Schnüre miteinander zu verbinden liegt darin, dass die komplette Tragkraft der Schnur erhalten bleibt. Es existiert kein Knoten, der sich bei extremer Belastung evtl. selbst zerschneidet.
Voraussetzung für das Spleißen ist allerdings dass das verwendete Vorfachmaterial, das als Schlagschnur dienen soll, hohlgeflochten ist. Nur so hat man die Möglichkeit die Hauptschnur sauber in das, innen hohle, Material einzuarbeiten und optimal miteinander zu verbinden. Versucht man dies mit einem normalen Spiralgeflecht wird man schnell scheitern, da man hier die Hauptschnur aufgrund der Art der Flechtung nicht sauber einführen kann.

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Was benötigt man zum Spleißen?

Nicht viel: Spleiß- oder Ködernadel und Sekundenkleber

Im Detail sieht das wie folgt aus:
In eine dickere Nadel, Ködernadel oder im Optimalfall auch Spleißnadel fädelt man das Ende der Hauptschnur ein. Nun führt man die Nadel in das Innere der Schlagschnur ein und zieht das Ganze etwa 10-15 Zentimeter in das Material ein. Lässt man die Nadelspitze wieder aus der Schlagschnur austreten und zieht die Hauptschnur durch das gespleißte Stück hindurch. Um auf Nummer sicher zu gehen, nähe ich die Hauptschnur nun in die andere Richtung wieder zurück. Bin ich am Ende der beiden Materialien angekommen kann ich die Nadel entfernen und den überstehenden Schnurrest abschneiden. Jetzt kommt der Sekundenkleber zum Einsatz. Jeweils an den Anfang und das Ende unserer bearbeiteten Stelle kommt ein kleiner Tropfen Sekundenkleber um das ganze zusätzlich zu sichern. Kurz trocknen lassen und fertig ist unsere knotenlose Verbindung. Dadurch dass hier auf jegliche Knoten verzichtet wird, entsteht keinerlei Tragkraftverlust und die komplette Schnurstärke bleibt erhalten.

Das andere Ende der Schlagschnur kann jetzt entweder per Knoten mit dem Wirbel verbunden werde, oder man greift auch hier auf das Spleißen zurück. Wenn genügend Zeit ist und es die Situation zulässt, fällt meine Wahl immer auf das Spleißen. Hier habe ich einfach die sauberste Verbindung, die ich herstellen kann. Man fädelt das Ende der Schlagschnur in das Nadelöhr ein und zieht einen Wirbel über die Nadel auf. Die Nadelspitze wird etwa 10 Zentimeter in das Material eingeschoben und das Ende komplett in die Schlagschnur eingezogen, bis die Schlaufe am Wirbel verschwindet und keinerlei Spielraum dazwischen ist. Mit der Nadelspitze tritt man wieder aus der Schnur aus und zieht alles hindurch. Nun hat man nur noch den kleinen Rest der Schnur als Überstand, welcher ganz dicht an der Austrittsöffnung abgeschnitten wird. Jetzt zieht man das Ganze etwas straff, sodass auch das kleine Ende im Inneren der Schlagschnur verschwindet. Zur Sicherheit kommt auch hier noch ein kleiner Tropfen Sekundenkleber drauf, wobei dies nicht wirklich nötig ist. Es ist einfach nur eine Kopfsache.
Seitdem ich regelmäßig Schlagschnur einsetze habe ich nicht einen einzigen Waller mehr durch Schnurbruch verloren und zudem keine Einschränkung beim Handling. Je nach Beanspruchung wechsle ich die Schlagschnur 1-2 Mal pro Saison. Das sind im Vergleich zu einer neuen Hauptschnur nur wenige Euro die man investieren muss. Eine Spule Vorfachmaterial kostet zwischen € 10,- und €15,-. Eine neue Füllung der Rolle mit etwa 250m Hauptschnur würde hier definitiv höher ausfallen…

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich zum Spleissen z.B. das Cat Cable von MADCAT empfehlen. Wichtig ist, dass die Abriebfestigkeit hoch ist und das Material innen hohl.

Christian Karo

MADCAT Pro Staff